Die aktuelle Zeit eignet sich hervorragend, um eine Karriere als Illustrator:in zu beginnen. Die Zeiten, in denen Printmedien die einzigen Medien waren, sind lange vorbei. Heutzutage generieren Verläge über 17 % des gesamten Umsatzes über Medien wie E-Books. Das deutet nicht nur auf eine erhöhte Nachfrage nach Büchern hin, sondern bedeutet auch, dass Autor:innen und Herausgeber talentierte Illustrator:innen brauchen, die ihre Geschichten zum Leben erwecken. 

Recherchiert man, wie man Illustrator:in wird, erfährt man meist zwei Dinge: Erstens, wie uns Katie Lyons erzählt hat, arbeiten einige Illustrator:innen jahrelang nur aus Leidenschaft, bevor sie daraus eine Karriere aufbauen. Umso wichtiger ist allerdings, dass Dir die meisten Profis bestätigen werden, dass Du keinen Hochschulabschluss brauchst, um Illustrator:in zu werden. 

Wir möchten ehrlich sein – Deine Karriere als Illustrator:in aufzubauen bedeutet viel Arbeit. Um Dir den Einstieg zu erleichtern, beantworten wir Dir einige Deiner wichtigsten Fragen und helfen Dir bei den ersten Schritten zu Deinem Traumjob. 

Was machen Illustrator:innen?

Das Internet hat den Begriff „Illustrator:in“ neu definiert. Viele Firmen stellen Illustrator:innen für Logos, Marketingmaterialien und Social-Media-Werbung ein. Außerdem gibt es viele unkonventionellere Wege, um deine Illustrations-Skills zu verwenden: forensische Kunst, Mode-Illustration, Briefpapier-Design, Tätowierungen und vieles mehr!

Aber lasst uns nicht abschweifen. In diesem Artikel konzentrieren wir uns darauf, Dir dabei zu helfen, Ilustrator:in für Bücher zu werden. 

Eine Kinderbuch-Illustration von „Rund um die Erde [und andere Verse]“
Eine Kinderbuch-Illustration von „Rund um die Erde [und andere Verse]“

Die Meisten denken bei Illustrator:innen für Bücher an Kinderbücher. Das ist natürlich nicht verwunderlich. Laut der Amelia Book Company sollen Illustrationen in Kinderbüchern eine Geschichte erzählen, die mit Wörtern nicht erzählt werden kann. Kindern wird schnell langweilig. Mit illustrierten Büchern macht das Lesen mehr Spaß. 

Buch-Illustrator:innen kreieren aber auch Bilder für Erwachsenenliteratur. Illustrationen findet man überall – sowohl in Romanen als auch in medizinischen Lehrbüchern. Sie sind für diese Art Bücher genauso wichtig wie für Kinderbücher – auch Erwachsenen wird beim Anstarren langer Textpassagen langweilig. 

Ein Tag im Leben von Raissa Figueroa, einer Illustratorin.

Wenn man recherchiert, wie man Illustrator:in wird, ist es wichtig, sich ein klares Bild seines potenziellen Arbeitsplans zu machen.

Wir haben bei Raissa Figueroa nachgefragt. Sie ist Kinderbuch-Illustratorin aus San Diego. Spoiler-Alert: Es ist kein typischer 9-to-5-Job. Dennoch ist Figueroas Kalender flexibel genug, um an den Dingen zu arbeiten, die sie inspirieren und gleichzeitig die Möglichkeit zu haben, alles stehen und liegen zu lassen, wenn eine wichtige Deadline näher rückt. 

Ein Beispiel aus Figueroas Kinderbuch-Illustrationen.
Ein Beispiel aus Figueroas Kinderbuch-Illustrationen.

Wenn Du gerne erfahren würdest, wie man Illustrator:in für Kinderbücher wird, findest Du hier den Ablauf eines typischen Arbeitstages von Figueroa. Jede dieser Aktivitäten beansprucht etwa 50 Minuten:

  • Figueroa steht morgens auf und beginnt ihren Tag mit Sport. Meistens geht sie auch mit ihrem Hund Gassi.
  • Bevor sie mit dem Zeichnen beginnt, beantwortet sie alle wichtigen E-Mails. Die E-Mails abzuhaken, hilft ihr dabei, sich den restlichen Tag aufs Illustrieren zu konzentrieren. 
  • Dann fängt Figueroa mit Aufwärmübungen auf Quickposes an. Das ist eine Bibliothek mit schnellen Illustrationsübungen, die Deine Fähigkeit trainieren, Posen und Gesten zu zeichnen. 
  • Über den Tag hinweg spielt sie Animationsfilme ab und pausiert, wenn sie sich von einem Bild inspiriert fühlt. Dieses Standbild zeichnet sie dann per Hand, um ihre Technik zu verbessern (das ist vor allem für alle enorm wichtig, die gerade am Anfang ihrer Karriere als Kinderbuch-Illustrator:innen stehen). 

Figueroa erklärt, dass sie normalerweise eine Mittagspause macht und dann wieder mit den oben genannten 50-Minuten-Blöcken weitermacht. Dieser Tagesplan unterliegt jedoch einer Ausnahme: Wenn sie ein Buchprojekt innerhalb einer bestimmten Frist abgeben muss, hat dieses natürlich Priorität. 

In 4 Schritten zum:zur Illustrator:in

Wenn Du jetzt denkst, dass Du Dich an einer Kunsthochschule einschreiben musst – keine Sorge: Es gibt viele realistische Wege, ohne Abschluss Illustrator:in zu werden.

Ein Abschluss ist zwar keine Vorraussetzung für eine Karriere als Illustrator:in, aber einen direkten Weg zum Ziel gibt es auch nicht. Viele der Tipps, die Du online findest, können einschüchternd wirken. Es gibt aber ein paar einfache Schritte, die Du tun kannst, um Deinem Ziel näher zu kommen, Illustrator:in zu werden. 

Schritt 1: Lerne die Grundlagen

Wenn Du Dich fragst, wie man ohne Abschluss Illustrator:in wird, gehen wir einmal davon aus, dass Du ganz am Anfang stehst. Der erste (und vielleicht offensichtliche) Schritt ist das Lernen der Grundlagen – aktuell heißt das, Deine digitalen Illustrationsfähigkeiten auf Vordermann zu bringen.

Hier sind einige Kurse, die Dich interessieren könnten:

Schritt 2: Zeichne was Du willst.

Du hast nun einige Illustrations-Tipps bekommen – und wie geht es jetzt weiter? Laut Kathryn Moy, einer Illustratorin aus den Niederlanden, ist es am Anfang am wichtigsten, zu zeichnen, was Du willst. 

Ein Beispiel aus Moys Werk aus ihrem Instagram-Profil.
Ein Beispiel aus Moys Werk aus ihrem Instagram-Profil.

Nehmen wir an, Du möchtest wissen, wie man Illustrator:in für einen Verlag wird. Es kann zwar ein paar Jahre dauern, bis Du einen dieser Jobs bekommst, aber es ist tatsächlich gar nicht so schwierig, geringbezahlte Jobs zu bekommen, für die man keine Unmengen an Erfahrung braucht. Das Problem daran ist, dass man extrem einfach in diese Art Jobs reinrutscht. Und ehe Du Dich versiehst, hast Du ein Portfolio voller Illustrationen, die zwar gut sind, aber nicht unbedingt das sind, was Du langfristig machen möchtest.

Natürlich ist es nicht schlecht, am Anfang einige suboptimal bezahlte Jobs anzunehmen. Aber in diesem Stadium ist es genauso wichtig, Dir Zeit zu nehmen, um Sachen zu zeichnen, mit denen Du Dein Portfolio aufbauen kannst – wenn der:die ideale Kund:in kommt, bist Du bereit, ihn:sie zu beeindrucken.

Schritt 3: Vernetz Dich mit anderen Illustrator:innen, statt Dich mit Ihnen zu vergleichen

Du willst ein paar tolle Beispiele für Buchillustrationen sehen? Geh in eine Bücherhandlung. Dort wirst Du unzählige, wirklich beeidruckende Illustrationen verschiedenster Bücher finden. Gerade am Anfang kannst Du eine Menge Inspiration aus der Arbeit von Kolleg:innen schöpfen.

Aber es man fängt auch schnell an, sich mit anderen Illustrator:innen zu vergleichen. Anstatt in diese Falle zu tappen, solltest Du Dich darauf konzentrieren, Dich mit Deinen Kollegen zu vernetzen.

Wie Illustratorin Nuria Boj uns kürzlich sagte: „Illustration ist ein Geschäft und Du musst anderen gegenüber Deine Leistungen bewerben.“ Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit dem Vernetzen zu beginnen – unter anderem, indem Du Social-Media-Plattformen wie Instagram nutzt, um Deine Arbeit zu teilen und Dich mit gleichgesinnten Künstler:innen zu vernetzen. Zusätzlich solltest Du an virtuellen Networking-Events teilnehmen, auf denen Du andere Illustrator:innen kennenlernen und von deren Wissen und potenziellen Geschäftsbeziehungen profitieren kannst.

Schritt 4: Dokumentiere Dein Wachstum

Während Deiner Entwicklung als Illustrator:in solltest Du Deinen gesamten Fortschritt dokumentieren. Das heißt natürlich vor allem, möglichst viel Deiner Arbeit zu aufzubewahren. Jede:r Künstler:in wird bestätigen, dass es wichtig ist, alte Werke zu reflektieren und zu überlegen, was man jetzt bessser machen würde.

Du könntest auch ein Lern-Tagebuch führen. Selbst kleine Notizen über z. B. Bearbeitungstricks, Pinselstriche, oder sogar Illustrationskonzepte, die Du erstmals angewendet hast, werden sich später in Deiner Laufbahn enorm auszahlen.

Wo finde ich Jobs als Illustrator:in?

Gerade bei Freelance Buchillustration denkt man meist sofort an bestimmte Jobbörsen. Fiverr ist unter Illustrator:innen, die ihren Einstieg in die Branche suchen, besonders beliebt. Illustrator:innen können sogenannte Verkäuferprofile anlegen und Artikel zu einem festen Preis anbieten. Der Illustrator unten bietet zum Beispiel botanische Bilder für 55 USD an.

Hier ein Beispiel eines Verkäuferprofils auf Fiverr.
Hier ein Beispiel eines Verkäuferprofils auf Fiverr.

Zudem sind auch Websites wie Upwork auf Freelance-Jobs spezialisiert. Arbeitgeber:innen können Illustrator:innen nach Fähigkeiten und Erfahrung suchen und Freelancer:innen können ein Profil anlegen und Preise für bestimmte Aufgaben festlegen – auch diejenigen, die nach Jobs für Buchillustration oder Zeichnung suchen.

Es gibt aktuell über 1.400 offene Illustrationsprojekte auf Upwork.
Es gibt aktuell über 1.400 offene Illustrationsprojekte auf Upwork.

Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, kreativ zu sein, wenn du, nun ja, kreative Jobs finden willst. 

Eine Illustratorin namens Renée hat in einem aufschlussreichen Post auf Medium geteilt, wie sie ihre Zeichenjobs findet. Sie sagt, sie und ihre Kolleg:innen setzen auf Social Media. Eine Freundin habe einen Jobs bekommen, nachdem jemand ihre Arbeit auf Instagram gesehen hat. Renée erzählt, dass ihr sie ihren ersten Auftrag für Buchillustration durch Netzwerken auf Twitter bekommen hat. Sie bietet ihrer Leserschaft außerdem Tipps zu Themen wie Cold E-Mailing an Unternehmen, die Deine Dienste benötigen könnten.

Gehalt

Glassdoor hat aktuell Daten über 540 Gehältern von Illustrator:innen aus den USA. Hier ein kleiner Einblick in das durchschnittliche Vollzeitgehalt eines:einer Illustrator:in in den USA:

Der Stundenlohn liegt meist zwischen 12 und 21 USD. Und, wie Du vielleicht schon vermutet hast, liegen die Gehälter bei mehr Erfahrung und in einer sehr spezialisierten Branche höher.

Was ist der Unterschied zwischen Grafikdesigner:innen und Illustrator:innen?

Es gibt viele Überschneidungen zwischen Grafikdesigner:innen und Illustrator:innen. In manchen Fällen übernehmen Grafikdesigner:innen auch Illustrations-Aufgaben und umgekehrt. Um den Unterschied aber genau zu verstehen, erklärt Dir David Paul von Design Hill in wenigen Worten den Unterschied.

„Die Aufgabe von Illustrator:innen liegt darin, einen zugehörigen Textes oder eine Idee bildlich darzustellen“, schreibt Paul. „Grafikdesigner:innen möchten einer Zielgruppe eine Botschaft vermitteln“.

Während Illustrator:innen meist mit Buchprojekten beschäftigt sind, arbeiten Grafikdesigner:innen meist mit Unternehmen zusammen, um Marketing-Elemente, Logos und Verkaufsmaterialien zu erstellen. Ihre Arbeit zielt also eher auf Geschäftsergebnisse ab, während sich Illustrator:innen damit beschäftigen, Geschichten zum Leben zu erwecken.

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Sweet Spots: Expressing Big Ideas in Small Editorial Illustrations.

Verfasst von:

Richard Moy