Virginia Woolf hatte recht. Wenn du den Schöpfergeist in dir wecken willst, kann dich „ein Zimmer für dich allein” dabei unterstützen – das kann ein umgestaltetes Schlafzimmer sein oder aber ein winziger Kleiderschrank, den du in liebevoller Kleinarbeit an seine neue Aufgabe anpasst. Auch wenn das eigene Kunstatelier sich vielleicht eher wie ein unerreichbarer Traum in weiter Ferne anfühlt, ist die eigentliche Umsetzung letztendlich gar nicht so schwer – auch dann, wenn dir nur ein kleines Budget dafür zur Verfügung steht. In diesem Leitfaden erfährst du, wie du dir zu Hause ein Kunstatelier einrichten kannst – unabhängig davon, wie klein oder groß der verfügbare Platz (oder das verfügbare Budget) ist. 

Dieser kleine, aber funktionale Arbeitsbereich beinhaltet natürliches Licht, funktionale Lagermöglichkeiten sowie eine übersichtliche Arbeitsfläche.
Dieser kleine, aber funktionale Arbeitsbereich beinhaltet natürliches Licht, funktionale Lagermöglichkeiten sowie eine übersichtliche Arbeitsfläche. 

Was brauchst du für ein Kunststudio in deinen eigenen vier Wänden? 

In Wahrheit braucht du dafür eigentlich gar nicht viel. Im Grunde lässt sich das Projekt auf zwei Kernbestandteile reduzieren: einen Raum und die Organisation deiner Materialien. Außerdem solltest du dir auch Gedanken über das ideale Budget für diesen Raum machen. 

Der Raum

Der erste Schritt zur Einrichtung deines Kunstateliers in deinem Zuhause besteht darin, einen Platz zu finden, der nur dir gehört. Vielleicht handelt es sich dabei um das Gästezimmer, das meist unbenutzt ist, einen Teil deiner Waschküche, den Eingangsbereich zu deiner Wohnung, eine Ecke deiner Garage oder sogar einen Schuppen im Hinterhof, in dem sich bisher nur sinnloses Zeug angesammelt hat.

Wenn dir nichts dergleichen für dein Kunstatelier-Projekt zur Verfügung steht, versuche einmal, über traditionelle Raumvorstellungen hinauszudenken. Ziehe dabei auch die folgenden Möglichkeiten in Betracht:

  • Umwidmung eines Schranks
  • Anbringung eines Klapptisches, den du einfach einklappen kannst, wenn du ihn gerade nicht brauchst.
  • Nutzung von Keller oder Dachboden 

Ganz gleich, wie klein dieser Raum ist – letztendlich brauchst du nur einen bestimmten Bereich, in dem du deine kreativen Utensilien leicht wiederfindest, deine Materialien ausbreiten und Inspiration finden kannst. 

Organisation 

Die Organisation ist der Schlüsselfaktor bei der Einrichtung eines eigenen Kunstateliers in deinem Zuhause. Der Reiz, der von einem eigenen Studio ausgeht, ist zum großen Teil ja auch die Möglichkeit, all seine Materialien sortiert und gut zugänglich an einem zentralen Ort lagern zu können. Du brauchst also eine Art System, um all deine Materialien sauber und geordnet aufzubewahren.

Die Malerin und Grafikdesignerin Mylène sortiert ihre Gemälde, indem sie sie mit Klammern an einer Gitterwand aufhängt – dadurch entsteht ein funktionaler wie optisch ansprechender kleiner Kunstbereich.
Die Malerin und Grafikdesignerin Mylène sortiert ihre Gemälde, indem sie sie mit Klammern an einer Gitterwand aufhängt – dadurch entsteht ein funktionaler wie optisch ansprechender kleiner Kunstbereich. 

„Ich empfehle eine Mischung aus offenen und geschlossenen Lagermöglichkeiten”, sagt Liz Toombs, Innenarchitektin im Hause PDR Interiors. „Offene Ablagevorrichtungen ermöglichen einen einfachen Zugang zu den am meisten verwendeten Gegenständen, während die restlichen Materialien in geschlossenen Behältern verwahrt werden können.”

Für Nippsachen, Schmuck, kreative Materialien oder andere Gegenstände, die nicht offen herumliegen sollen, kannst du Körbe oder undurchsichtige Behälter verwenden. Du solltest nur dafür sorgen, dass sie eindeutig beschriftet sind, damit du nicht ständig nach bestimmten Dingen suchen musst. „Optisch ansprechende Objekte kannst du in offenen Regalen unterbringen”, so Toombs weiter. Wenn der verfügbare Platz einfach nicht ausreicht, um alles unterzubringen, halte nur das Wesentlichste in deinem Kunstraum bereit und verstaue den Rest in einem anderen Bereich deines Zuhauses. 

Das Budget

Bevor du mit der Planung und Einrichtung deines Heimstudios beginnst, solltest du dir zunächst ein paar Gedanken über das verfügbare Budget machen. Auch in einem kleinen Raum brauchst du einige wesentliche Dinge – beispielsweise einen Tisch, eine Lampe oder eine Staffelei – und darüber hinaus möchtest du deinem kleinen Reich vielleicht auch mit Farben, Regalen, Vorratsbehältern oder anderen Accessoires eine persönliche Note verleihen. 

So gestaltest du ein Kunststudio auf engstem Raum

Wenn du ein freies Schlafzimmer oder eine ganze Garage hast, die du in ein Atelier umwandeln kannst, geht die dir Gestaltung deines Kunstraums ohnehin leicht von der Hand. Aber was ist, wenn du in einer kleinen Wohnung lebst oder dein Budget sehr beschränkt ist? 

„Wenn das Problem beim Budget liegt, solltest du in erster Linie kreativ werden und dir die Räume und Orte in deinem Zuhause genauer ansehen, die mehreren Zwecken dienen“, empfiehlt Caroline Grant, Innenarchitektin bei Dekar Design. „Gestalte deinen eigenen Tisch, der als Konsolentisch dienen kann, wenn du ihn gerade nicht brauchst, oder auch versenkbare Schranktüren, die beim Öffnen zusätzliche Beinfreiheit unter dem Tisch schaffen.”

Eine andere Möglichkeit ist ein Schuppen oder ein Gewächshaus, das du oft schon fertig im Baumarkt kaufen und selbst aufbauen kannst (du müsstest dann nur noch eine Heizung oder Klimaanlage einbauen). 

Die Künstlerin Emily Grace King hat ein kleines Kunststudio in ihrem Hinterhof gestaltet, in dem sie malen, zeichnen, nähen und anderen kreativen Arbeiten nachgehen kann.
Die Künstlerin Emily Grace King hat ein kleines Kunststudio in ihrem Hinterhof gestaltet, in dem sie malen, zeichnen, nähen und anderen kreativen Arbeiten nachgehen kann. 

Immer noch ratlos? Vielleicht kannst du ja auch ein Mini-Studio in einem begehbaren oder mittelgroßen Kleiderschrank unterbringen.

„Zur Umgestaltung eines Schranks reicht es oft schon, die Türen zu entfernen und einen Tisch hinzuzufügen [Stehtische sparen viel Platz] – zum Schluss kannst du im oberen Bereich noch durchgehende Regale anbringen. Wenn der Platz reicht, kannst du auch eine Schreibtischlampe an der Wand montieren, um mehr Platz auf dem Tisch zu haben”, sagt Innenarchitektin Anne Hepfer.

Möglichkeiten bieten sich immer – auch in der kleinsten Wohnung. Den verfügbaren Platz kannst du genauso kreativ gestalten wie deine eigentliche kreative Arbeit, die dann in diesem Raum stattfindet.

Optimale Nutzung kleiner Wohnräume

Wohnraumdesign für kleine Flächen mit Erikka Fogleman

Überlegungen bei der Einrichtung eines Kunststudios

Zur Einrichtung deines eigenen kleinen Kunststudios brauchst du eigentlich nur Platz und eine gewisse Ordnung. Es gibt allerdings auch noch einige andere Faktoren, die du bei der Gestaltung berücksichtigen solltest. Im Hinblick auf deinen eigenen Kunststil und deine Vorlieben solltest du dir auch ein paar Gedanken über die folgenden Dinge machen. 

Beleuchtung

Die Beleuchtung spielt bei der künstlerischen Gestaltung eine wichtige Rolle, daher sollte auch dein kleines Kunststudio zu Hause angemessen beleuchtet sein. Das beste Licht ist natürliches Licht (ohne direkte Sonneneinstrahlung). Da das in einem kleinen Raum aber nicht immer möglich ist – vor allem, wenn du einen Schrank oder eine Garage nutzt – möchtest du dir vielleicht eine Tageslichtlampe oder eine Tageslichtsimulation zulegen, die das natürliche Licht bestmöglich imitieren.

Die Töpferin Katie Robbins arbeitet in einem von natürlichem Licht durchfluteten Raum, der mit echten Pflanzen und Pflanzenkunst dekoriert ist.
Die Töpferin Katie Robbins arbeitet in einem von natürlichem Licht durchfluteten Raum, der mit echten Pflanzen und Pflanzenkunst dekoriert ist. 

Zugang zu einem Spülbecken oder fließendem Wasser

Für viele Künstler:innen ist der Zugang zu fließendem Wasser oder einem Spülbecken wichtig für ihre kreative Arbeit. Zwar kannst du den Abfluss in Küche oder Badezimmer benutzen, aber für künstlerische Arbeiten ist ein eigenes Spülbecken sinnvoll, damit du dir keine Gedanken darüber machen musst, dass Projektrückstände das Becken schmutzig machen oder den Abfluss verstopfen. 

Ausreichende Arbeitsfläche

Selbst in einem kleinen Raum sollte dir eine ausreichende Arbeitsfläche zur Verfügung stehen, unabhängig davon, ob du lieber an der Staffelei, am Tisch oder auf dem Boden arbeitest. Wenn du deine Materialien nicht entsprechend ausbreiten kannst, ist der Raum nicht für deine Zwecke geeignet. 

Ausreichende Belüftung 

Die Belüftung ist vor allem dann wichtig, wenn du mit Materialien arbeitest, die starke Ausdünstungen oder Staub verursachen. Wenn du zum Beispiel mit Ölfarben malst oder mit Holz arbeitest, solltest du dir einen Ort mit direkter Frischluftzufuhr aussuchen. Und ehrlich gesagt tut frische Luft uns allen gut – wenn du daher die Möglichkeit hast, in einem gut belüfteten Bereich zu arbeiten (unabhängig von deinem bevorzugten Medium), solltest du sie auf jeden Fall nutzen. 

Tipps für dein Kunstatelier in deinem Zuhause 

Wenn du schon das Ziel verfolgst, ein eigenes kleines Studio zu Hause zu haben, solltest du auch dafür sorgen, dass es deiner Persönlichkeit entspricht. Im Folgenden findest du einige Tipps zur Gestaltung deines idealen schöpferischen Raums in deinen eigenen vier Wänden. 

Ändere die Wandfarbe 

„Es ist unglaublich wichtig, dass dir dein Arbeitsbereich gefällt und dein eigener kleiner kreativer Tempel ist. Die richtige Umgebung kurbelt auch deine Kreativität an”, weiß Toombs. „In einem Heimstudio darf der Stil nicht der Funktion geopfert werden.”

Daher solltest du dir zunächst eine Wandfarbe aussuchen, die deine kreative Energie ins Fließen bringt. Toombs empfiehlt eine neutrale, aber inspirierende Farbe – diese sollte weder zu hell noch zu dunkel sein. Sie beschreibt das so: „Eine zu helle Farbe lenkt dich womöglich zu stark ab und behindert deine Konzentration. Dunkle Farben machen dich eventuell müde, anstatt dich zu inspirieren und zu motivieren. Die Herausforderung besteht also darin, einen Farbton zu finden, der dir gefällt und dezent genug ist, um produktive Arbeitsabläufe zu begünstigen.”

Einigen Untersuchungen zufolge wirkt die Farbe grün zum einen beruhigend, aber inspiriert zum anderen auch zu kreativerem Denken – das ist eine lohnende Kombination für dein eigenes kleines Kunstatelier.
Einigen Untersuchungen zufolge wirkt die Farbe grün zum einen beruhigend, aber inspiriert zum anderen auch zu kreativerem Denken – das ist eine lohnende Kombination für dein eigenes kleines Kunstatelier.

Kreative Akzente setzen 

Füge deinem Kunstraum im nächsten Schritt ein paar kreative Elemente hinzu, die deine Inspiration befeuern. Das können selbst gestaltete Wandbilder sein, ein schöner Gobelin, den du neulich erstanden hast, gerahmte Urkunden, Preise oder Fotos oder auch ein außergewöhnliches Stück aus dem Trödelladen deines Vertrauens.

Natürlich kannst du deinem persönlich Kreativstudio auch mit Teppichen, Pflanzen, Vorhängen, einem gemütlichen Stuhl (wenn der Platz das hergibt) und der richtigen Beleuchtung einen persönlichen Touch verleihen. Wandbeleuchtung eignet sich ideal vor allem für beengte Räumlichkeiten. Neben Wandleuchten kannst du auch Luster aufhängen oder Stehlampen aufstellen. Noch ein Tipp gefällig? Im Zweifelsfall würden wir dir die Verwendung von Lampenschirmen aus weißem Leinen empfehlen – sie geben genau das richtige, weiche Umgebungslicht ab, das dich nicht von deiner Arbeit ablenkt.

Individuelle Gestaltung deiner Lagerflächen

Du weißt bereits, dass der Lagerfläche eine große Bedeutung zukommt, um ein Kunststudio auf beengtem Raum einrichten zu können. Wenn dein Budget eingeschränkt ist, findest du für kleines Geld freistehende Regaleinheiten, vor allem, wenn du gern in Trödelläden einkaufst oder Second-Hand-Apps wie Marketplace oder OfferUp verwendest. Und selbst wenn diese Regalfläche nicht die allerschönste ist (zum Beispiel ein abgenutztes Holzregal oder ein Aktenschrank aus Metall): Lass deiner Kreativität freien Lauf und gestalte etwas ganz Neues daraus!

„Wenn du einen alten Schrank hast, dem du gern einen neuen Schliff verpassen würdest, kannst du ihn beispielsweise mit elektrostatischer Farbe in neuem Glanz erstrahlen lassen. Bei der Auswahl der Farbe kannst du ruhig mutig sein, um Freude und positive Energie an deinen Arbeitsplatz zu bringen, oder aber du wählst eine Farbe, die zu deinen Wänden und Möbeln passt”, schlägt Toombs vor.

Wenn du deine Ablagevorrichtungen mit ein paar modernen, hellen Farben auffrischst, bringt das gleich mehr Pepp in deinen Arbeitsbereich.
Wenn du deine Ablagevorrichtungen mit ein paar modernen, hellen Farben auffrischst, bringt das gleich mehr Pepp in deinen Arbeitsbereich. 

Egal, wie klein oder bescheiden dein Studio ist, findest du letztendlich immer eine Möglichkeit, es so zu gestalten, dass es deine Kreativität ausdrückt und dich bei deiner Arbeit inspiriert. Und das Beste daran? Es gehört alles dir. Mach dich also an die Arbeit!

Regt das Kunstatelier zu Hause deine Kreativität an?

Arbeitsbereiche kreativitätsfördernd gestalten mit Melanie Greenwood

Written By

Wendy Rose Gould

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