Die sensible Phase der Sprachentwicklung

 Es ist etwas faszinierendes, wenn Kinder anfangen zu sprechen. Dabei ergibt sich durchaus der ein oder andere lustige Moment, den man als Elternteil immer in Erinnerung behalten will. Doch großes Potential steckt in dieser Phase der Sprachentwicklung. In dieser Zeit entscheidet sich, ob man den Kindern die Möglichkeit schenkt Erfolg im sozialen und beruflichen Bereich zu haben, ob man ihnen Weisheit vermittelt sich adäquat auszudrücken und auch andere Sprachen zu erlernen, oder ob Sprache und Kommunikation immer ein Problem für sie sein wird. Doch wie erkennt man, wann ein Kind sensibel für Sprache wird und was daraufhin getan werden kann, um es sprachlich zu fördern?

 

Ich muss an meine kleine Cousine Salma denken, die gerade 4 Jahre alt ist. Schon früh hat sie begonnen aufmerksam zuzuhören und zu verstehen, bevor sie angefangen hat einzelne Wörter und dann einfache Wortgruppen zu bilden, bis sie schließlich ganze Sätze sagen konnte. Bei jedem Kind läuft dies sehr ähnlich ab, wenn auch bei manchen früher oder später. Doch alle Kinder lernen schon ab dem Zeitpunkt, wo sie im Bauch der Mutter sind (durch die Sprachmelodie) bis sie ungefähr sechs Jahre alt sind, die Grundlagen ihrer Erstsprache vollständig zu beherrschen. Natürlicherweise wird danach immer noch dazugelernt, doch besonders sensibel sind die Kinder eben in ihren ersten Lebensjahren. Um bei dem Beispiel meiner Cousine zu bleiben, möchte ich hier einige Situationen beschreiben, die verdeutlichen, dass sie sich gerade in der sensiblen Phase der Sprachentwicklung befindet.

 

Selbstwahrnehmung ist ein extrem wichtiger Bestandteil in der Sprachentwicklung. Einmal waren wir als Familie mit der Familie meiner Cousine in einer Burgruine. Neben all den historischen Beschreibungen und einem Burgrestaurant gab es, wie bei fast jeder touristischen Burgruine, auch einen kleinen Shop mit allen möglichen Accessoires. Schon vor dem Geschäft war ein kleines Stofftier befestigt, denn es hatte eine besondere Eigenschaft: Alles, was man in seiner Nähe sagte, wurde von ihm mit einer lustigen, hohen Stimme wiedergegeben. Dies faszinierte meine kleine Cousine so sehr, dass sie immer und immer wieder mit dem kleinen Tier sprach und lachte, sobald es sie wiederholte. Man konnte sie kaum dazu bewegen ins Innere der Burgruine zu gehen. Schließlich musste auch ihr Vater nachgeben und kaufte ihr so ein Tierchen. Die ganze Autofahrt lang sprach sie mit ihm, als ob es einen Verstand hätte. Es war wirklich sehr amüsant und doch auch nicht sinnlos. Für Salma war es ein Weg sich und was sie von sich gab besser einschätzen zu können.

 

Im Winter war ich mit meiner Cousine einmal Skifahren. Da wir zuerst nur am langsamen Zauberlift unterwegs waren, waren die Auffahrten immer etwas lange und so redeten wir miteinander. Einmal passierte es mir, dass ich unabsichtlicher Weise etwas sagte, das sich reimte, so wie: „Der Sonnenschein: Der ist so fein!“ Sobald ich es ausgesprochen hatte, sprach mir Salma nach. Sie war ganz fasziniert von dem Reim. Ich versuchte es danach noch mit mehreren anderen Reimen und sie wiederholte sie. Sie erkannte, dass Sprache nicht nur zur Kommunikation, sondern auch zur Unterhaltung und Freude dient.

Es gäbe noch viele Beispiele aufzuzählen. Fakt ist: Wenn man bei einem Kind eine Liebe und Offenheit für Sprache jeglicher Form feststellen kann, ist es nur gut diese intrinsische Motivation zu unterstützen, indem man auf seine/ihre Interessen und Wünsche eingeht und selbst an der Sprache gefallen hat.