Was haben Die Simpsons, The Onion und George Orwells Farm der Tiere gemeinsam? Sie sind alle Beispiele für Satire – ein literarisches Mittel, das mithilfe von Humor seine allgemeine Meinung über die menschliche Natur und die moderne Gesellschaft ausdrückt.

Beispiele sind leicht zu finden, aber eine klare und prägnante Definition zu finden ist nicht ganz so einfach. Das liegt daran, dass es eine Vielzahl von Genres, Arten und Techniken gibt, sowie eine lange Reihe von Autor:innen, Filmemacher:innen, politischen Kommentator:innen und anderen Persönlichkeiten der Popkultur, die Satire für ihre Zwecke verwendet haben. 

Wenn du einmal begriffen hast, was Satire wirklich ist, siehst du, warum sie so wirksam ist. Du lernst auch, Satire geschickter anzuwenden, ob in veröffentlichten Werken oder im täglichen Gespräch.

Von den Ursprüngen der Satire bis zu den geläufigen Techniken – hier findest du alles, was du wissen musst, um dieses literarische Mittel zu beherrschen und mit seiner Hilfe deine Argumente und Erkenntnisse zu stärken.

Quicklinks

Was ist Satire?

Beginnen wir mit einer einfachen Definition.

Satire ist die Verwendung von Humor, um eine negative Aussage über eine Person, die Gesellschaft oder ein politisches Thema zu machen. Dies erfolgt oft in Form von Überspitzung, Übertreibung, Parodie, Ironie oder Spott und findet sich in allen Arten von Medien, einschließlich der Literatur und der darstellenden Kunst.

Wie erkennst du den Unterschied zwischen Satire und allgemeinem Humor? Es geht hier um die Botschaft, die vermittelt werden soll. Wenn du Humor findest, der sich über jemanden oder etwas lustig macht oder dazu dient, bestimmte Schwächen der Gesellschaft hervorzuheben, ist es sehr wahrscheinlich, dass es nicht nur darum geht, dich zum Lachen zu bringen.

Ursprung der Satire

Unter den stilistischen Mitteln ist Satire nicht nur eines der wirksamsten, sondern auch eines der ältesten. Ihr Ursprung kann bis ins alte Ägypten und ein Werk aus der ägyptischen Literatur zurückgeführt werden, das als Die Anweisung von Dua-Kheti oder Die Satire des Handels bekannt ist. Das Stück, das zwischen 2025 und 1700 v. Chr. geschrieben wurde, verwendete Übertreibung, um ein negatives Bild verschiedener Handwerke zu zeichnen. 

Die Satire des Handels sollte ursprünglich rein informativ sein, aber im Griechenland der Antike beginnen wir, sie in der Literatur zu sehen, wobei Aristophanes Alte Komödie oft als wichtiges erstes Beispiel bezeichnet wird. Das Wort selbst stammt vom lateinischen „satur“ ab, genauer dem Ausdruck „lanx satura“, der „eine Schüssel gefüllt mit vielen Obstsorten“ bedeutet. Die alten römischen Satiriker verwendeten den Ausdruck in Bezug auf die gleichen Dinge, die wir heute Satire nennen, das Wort Satire fand jedoch erst im 16. Jahrhundert seinen weg in ein englisches Lexikon.

Beispiele für Satire

Um dich besser mit dem Konzept vertraut zu machen, schaue dir am besten Beispiele an. Hier sind einige der bekanntesten Anwendungen in der Literatur und Dichtung, mit mehreren Werken, die den Einsatz von Satire verkörpern und festlegen, wie sie in der Literatur verwendet werden kann.

Satire in der Literatur

Bücher müssen nicht ausgesprochen lustig sein, um als Satire angesehen zu werden. Die literarische Satire ist oft vielschichtig, mit Themen, die sich bei der ersten Lektüre nicht immer gleich erkennen lassen. Und obwohl du sie eher in der Belletristik als in Sachbüchern findest, können Bücher aller Genres sie als Mittel verwenden, um bestimmte Themen zu kritisieren – manchmal unterschwellig und manchmal deutlicher.

Catch-22 von Joseph Heller (1961)

Dieser satirische Roman kontrastiert den Humor gegen die Tragödie und die Unmenschlichkeit des Krieges und schafft damit ein Werk, das die nahezu verstörende Fähigkeit hat, Leser:innen gleichzeitig zum Lachen und zum Erschrecken zu bringen. Das Buch enthält außerdem eine reichliche Dosis religiöser Satire, insbesondere im Hinblick auf die Kaplan des Geschwaders, der im Laufe der Geschichte allmählich seinen Glauben verliert.

Alices Abenteuer im Wunderland von Lewis Carroll (1865)

Diese Geschichte ist vielleicht am besten für die drollige Adaption von Disney bekannt, aber Alice im Wunderland ist eine satirische Darstellung der Korruption und Heuchelei im viktorianischen England. Alice trifft immer wieder wunderliche Charaktere, die sie für ihr Versäumnis schelten, sich an die Etikette der Zeit zu halten, und das Buch selbst gilt als eine Parodie-Satire der Kinderliteratur.

American Psycho von Bret Easton Ellis (1991)

Patrick Bateman, der gewalttätige Protagonist von American Psycho, ist selbst ein Beispiel für Übertreibungssatire. Obwohl der Roman gewiss reichlich legitime Düsterheit hat, ist Bateman eine geradezu parodieartige Darstellung der Yuppie-Kultur der 1980er-Jahre, die mit voller Absicht extremes Verhalten porträtiert, das nie ernsthafte Folgen hat.

Satire in der Dichtung

In der Dichtung wird Satire schon lange als Mittel zur Subversion der zeitgenössischen Bräuche verwendet und um eindringliche und zugleich verhüllte Aussagen über die Welt zu machen. Genau wie in den literarischen Beispielen ist die Satire in der Dichtung nicht immer offensichtlich, aber sobald du weißt, worauf du achten musst, wird es einfacher zu erkennen, wie Dichter:innen diese Techniken zur Verhöhnung der sozialen und/oder politischen Realität ihrer Zeit verwendet haben.

Die Dunciad von Alexander Pope (1728–1743)

Die Dunciad von Pope ist eine Parodie-Satire, die sich über die als langweilig und übermäßig kompliziert erachteten epischen Werke der Antike lustig macht. Sie bringt ihr Argument sowohl im Text als auch im Format an und umfasst drei separate Bücher in direkter, aber bekanntermaßen satirischer Referenz zu heroischen Versen.

Résumé von Dorothy Parker (1937)

Man kann die dunkle Natur von Parkers berühmtem Gedicht nicht leugnen, das eine kurze Liste mit Methoden enthält, wie man sein eigenes Leben beenden kann. Am Ende nutzt Parker eine Satire-Umkehrung, um die Leserschaft mit einer unerwarteten Botschaft der Hoffnung zu überraschen. Sie sagt: „Na, dann kann man ja genauso gut leben“, nachdem sie beschrieben hat, wie jede Methode dem Menschen Schaden zufügen kann.

3 Arten von Satire

Es gibt drei Arten von Satire, die sich jeweils im Ton deutlich unterscheiden. Wenn du Werke in Literatur, Dichtung, Film usw. näher untersuchst, wirst du in der Regel feststellen, dass sie durch eine übergeordnete Kategorie definiert sind, anstatt zwei oder mehr verschiedene Kategorien miteinander zu kombinieren. (Deshalb können zum Beispiel eine Fernsehsendung wie South Park und auch ein Buch wie Don Quixote beide Satire sein und gleichzeitig nur sehr wenig gemeinsam haben.)

1. Horazische Satire

Dies ist die leichteste Form, und es gibt in der Regel keine Frage, ob der Autor lustig sein will oder nicht. Ein Beispiel hierfür wäre The Colbert Report, in dem Nachrichten verwendet wurden, um sich über politische Themen und Figuren lustig zu machen.

2. Juvenalische Satire

Die juvenalische Satire ist etwas dunkler und genauso bekannt für ihre dunklen Konnotationen wie horazische Werke für ihren Humor bekannt sind. Wut, Entrüstung und Empörung sind alle in juvenalischen Werken zu finden, wie z. B. in Uhrwerk Orange von Anthony Burgess (1962), in dem eine Bande von Jugendlichen versucht, ihre eigene Hilflosigkeit in der Gesellschaft durch Gewalt zu bekämpfen.

3. Menippische Satire

Die menippische Satire liegt irgendwo in der Mitte zwischen den beiden anderen Arten und kann entweder humorvoll oder dunkel sein, je nachdem, was der Autor beabsichtigt. Sie zeichnet sich vor allem durch die Verwendung von dezentem Spott aus, um Ideen (anstatt von bestimmten Personen) moralisch zu verurteilen. Saturday Night Live ist ein gutes Beispiel hierfür, wie auch das bereits erwähnte Werk von Lewis Carrol, Alice im Wunderland.

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Verschiedene Satire-Genres

Wenn wir über die verschiedenen Genres sprechen, meinen wir eigentlich die unterschiedlichen Arten von Stellungnahmen. Es geht weniger um das allgemeine Format des Werks (d. h. Belletristik oder Sachbücher, literarische oder poetische Satire usw.), sondern eher um die enthaltene Aussage und das Argument, das der Autor vorbringen möchte.

Politische Satire

Wir können wahrscheinlich davon ausgehen, dass Leute, schon seit es Politiker gibt, diese mithilfe Satire verspotten. Politische Satire prangert Heucheleien und Ungleichheiten in politischen Systemen an. Außerdem macht sie sich auf spielerische und dennoch scharfe Weise über politische Führungskräfte lustig. Wie bereits erwähnt, war The Colbert Report ein Beispiel und ebenso sein liberales Gegenstück, The Daily Show.

Nachrichten-Satire

Nachrichten müssen nicht real sein, um damit legitime Kommentare über den Zustand unserer Gesellschaft abzugeben. Man denke dabei an „Fake News“-Publikationen wie The Onion und Reductress, die Geschichten in Parodieform präsentieren, jedoch täuschend echt wie die tatsächlichen Nachrichten wirken. Dabei soll das Publikum nicht etwa glauben, die Geschichten seien Wirklichkeit, sondern es wird Humor eingesetzt, um zeitgenössische Themen zu kritisieren. Hierzu werden falsche Erzählungen zu realen Themen vorgestellt sowie auch Geschichten, die von Anfang bis Ende reine Fantasie sind.

Religiöse Satire

Kritik an der Religion zu äußern war zu vielen Zeiten und an vielen Orten äußerst gefährlich (und ist es immer noch). Eine Möglichkeit, diese Gefahr zu umgehen, ist die Satire als Mittel der Meinungsäußerung, wobei die Verdienste der Religion infrage gestellt werden, ohne dass dies offensichtlich ist. Das heißt nicht, dass religiöse Satire Subversion verwendet, um die Botschaft zu verbergen, sondern sie verleiht der Diskussion einen leichteren, schmackhafteren Touch, auch wenn der Kommentar selbst ziemlich scharf ist.

Beispiele hierfür sind The Book of Mormon vom Broadway, der satirische Roman Lamm von Christopher Moore sowie der Charakter des Ned Flanders in The Simpsons. Jedes dieser Beispiele verwendet einen etwas anderen Ansatz zur Verhöhnung religiöser Institutionen und Überzeugungen.

Satire-Techniken, die du beim Schreiben verwenden kannst

Jeder kann die Techniken der Satire anwenden, um die moralischen, sozialen und politischen Probleme seiner Zeit zu kritisieren. Wenn du dich näher mit Satire für deine eigenen Werke befassen möchtest, findest du hier einige der Techniken, die du ausprobieren kannst. Mit allen kannst du eine klare Aussage auf weniger direkte (aber nicht weniger effektive) Weise machen.

Übertreibung 

Die Übertreibungssatire schafft eine Art verbale Karikatur einer Person oder eines Themas, wobei anhand von Mitteln wie Hyperbel und Übertreibung die Fehler in den Vordergrund gestellt werden. Und das muss nicht unterschwellig sein. Probiere diese Technik aus, indem du dein Thema so weit wie möglich übertreibst und dich dabei besonders auf die Aspekte konzentrierst, die den Spott am meisten verdienen.

Umkehrung 

Eine Umkehrung ist, wenn du genau das Gegenteil vom Erwarteten passieren lässt, um die Absurdität deines Themas zu betonen. Umkehrungssatire kann zum Beispiel eine Ameisenfarm sein, die mit winzigen Menschen gefüllt ist, oder ein Hund, der sein Herrchen an der Leine führt statt umgekehrt.

Missverhältnis 

Das Missverhältnis ist eine Satiretechnik, bei der zwei Dinge zusammengebracht werden, die im direkten Widerspruch zueinander zu stehen scheinen, oder wo ganz deutlich etwas fehl am Platz ist. Ein Beispiel für ein Missverhältnis wäre ein Baby, das eine Vorstandssitzung leitet, und es versteht sich von selbst, dass das Baby nicht in die Szene gehört.  

Parodie 

Parodie imitiert etwas, um sich darüber lustig zu machen. Das Ziel hierbei kann sein, einen vernichtenden Kommentar über den Gegenstand der Parodie abzugeben, oder ganz einfach die Leute mit einer spaßigen Darstellung der kreativen Arbeit anderer zum Lachen zu bringen. Beispiele für Parodie sind gefälschte Werbespots und Musikvideos in Saturday Night Live und viele der Bücher von Autor Christopher Moore wie Fool, das eine Parodie von König Lear und den Werken von Shakespeare ist.

So erkennst du Satire

Satire kann offensichtlich oder implizit sein. Woher weißt du also, ob etwas Satire ist? Eine Möglichkeit, Satire in schriftlicher Form oder anderen Medienarten zu erkennen, ist die Suche nach den im vorherigen Abschnitt genannten Techniken. Wenn du weißt, dass das Vorliegende eine klare Übertreibung ist oder dass etwas absichtlich am falschen Platz ist, kannst du ruhig davon ausgehen, dass hier Satire beabsichtigt ist.

Auch der Ton kann dich darauf hinweisen. In vielen Fällen wird Satire als Mittel verwendet, um etwas zu verspotten oder Zweifel daran zu schüren. Du kannst das erkennen, indem du dich fragst, was die Autorin oder der Autor beabsichtigt und ob in diesem Werk etwas Bestimmtes verspottet wird.

Wenn die Satire richtig verwendet wird, kann sie hervorragend sein, um dein Argument vorzubringen. Probiere es in deinen eigenen Werken aus und erweitere dein Verständnis, indem du satirische Werke liest und anschaust und versuchst, das Genre der jeweils verwendeten Satire sowie die Technik(en) zu erkennen.

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